Über Gastfreundschaft im Krisengebiet

Die Streckenwahl der Allgäu-Orient Rallye ist schön, aber einige Länder sind nicht gerade die bevorzugten Ziele vieler Touristen. Israel, Palästina und Jordanien bringt man in der letzten Zeit eher mit Negativ-Schlagzeilen in Verbindung.
Noch im Februar kursierte die Schreckensnachricht über den jordanischen Piloten Al-Kasasba, der von der Terrormiliz IS bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Jordanien hat Rache geschworen, viele unserer Eltern haben sich Sorgen gemacht, als sie gehört haben, durch welche Länder wir fahren wollen.
Gibt man Israel und Palästina bei google ein, findet man unter den Ergebnissen vorwiegend Stichworte wie: Konflikt, Terror, IS, Anschlag, Raketen.
Jordanien ist umgeben von lauter Krisenherden: Irak, Syrien, Saudi-Arabien.

Der ein oder andere von uns hat sich im Vorfeld natürlich auch Gedanken über die politische Lage gemacht und vielleicht sogar kurz gezögert, bevor letztendlich dann doch final zugesagt wurde. Andere Teams haben sich anders entschieden. Knapp 20 Teams haben ihre Anmeldung zurückgezogen und sind erst gar nicht angetreten.

 

TEIL 1

Mit dem Glauben an das Gute waren wir am Pfingstmontag in Israel eingereist und eins lässt sich vorweg sagen: wir haben es nicht bereut. Auch wenn uns die Israeli etwas reserviert begegneten, waren wir von der Schönheit des Landes (vor allem der Stadt Haifa) beeindruckt. Noch am Montag hatte uns die E-Mail von Yaish Distributing Co., einem Schaeffler Automotive Aftermarket Partner, erreicht. Man wollte uns zum Abendessen einladen, wenn wir in Bethlehem (Palästina) sind.
Die Jungs von Yaish Distributing Co  hatten über eine Pressemeldung erfahren, dass wir in ihrer Heimat unterwegs sind und wollten es sich nicht nehmen lassen uns zu begrüßen. So fuhren wir am Dienstag direkt von Haifa nach Bethlehem und wurden dort herzlich empfangen. Nach einem kühlen Getränk und einer kurzen Toilettenpause wurden wir in einen !! klimatisierten !! Bus verfrachtet und konnten uns erstmals zurücklehnen, mußten nicht selbst navigieren, konnten alle die schöne Umgebung genießen und die Beine beim Fahren hochlegen.
Rami Yaish und seine Kollegen hatten nicht nur einen tollen Begrüßungsbanner für uns organisiert, sondern auch einen deutschen Stadtführer, der uns viel erklärte und unsere Fragen beantwortete. Die anderen Rallye-Teams um uns herum nahmen unsere exklusive Behandlung mit neidischen Blicken zur Kenntnis. Wir waren hin und weg. 🙂

Mit unserem Stadtführer ging es in die Geburtskirche. Es ist schon irre, wenn man sich bewusst macht, auf was für einem historischen Stückchen Erde man sich dort befindet. Hier begann ein bedeutsamer Teil unserer Geschichte und wir waren da.
Nach unserer Tour durch die Geburtskirche durften wir uns im Bus weiter kutschieren lassen.
Rami Yaish hatte ein wunderbares Restaurant mit einem herrlichen Ausblick auf die Stadt Bethlehem organisiert. Wir überließen den Gastgebern die Bestellung und kamen aus dem Staunen nicht heraus, als aufgetischt wurde. Neben diversen Vorspeisen (Mezze genannt) gab es gegrilltes Fleisch, Pommes und als Nachtisch Baklava. Ein Highlight war das Getränk: eine Limonade aus Zitronensaft und Minze. Das Essen war extrem lecker.
Nebenbei haben wir viel über die Kultur, das Land, die Leute und den Konflikt gelernt. Vor allem wie sich der Konflikt auf den Alltag der Einheimischen auswirkt. Vom Restaurant aus war auch die Mauer sichtbar, die Palästina von Israel trennt. In Deutschland wurde die Mauer 1989 eingerissen, zwischen Israel und Palästina wird sie weiter aufgebaut.
Uns wurde bewusst, wie glücklich wir uns schätzen können. Freiheit und Frieden sind zwei wertvolle Güter und was für uns selbstverständlich ist, scheint für andere in unerreichbarer Ferne.
Und obwohl der Konflikt so nah war, war der Abend extrem entspannt. Rami und seine Kollegen waren sehr aufgeschlossen, locker, nie vorwurfsvoll, sehr offen und unheimlich gasfreundlich. Wir waren unter Menschen, die trotz der Schwierigkeiten um sie herum nicht den Humor verloren haben, die schönen und wichtigen Dinge des Leben zu schätzen wussten, tolerant waren und sich sehr darüber gefreut haben, dass wir trotz der Schwierigkeiten in dieser Region, die Reise angetreten sind und ihre Heimat besucht haben.

Und als hätten wir nicht schon genug bekommen, wurden wir am Ende des Tages auch noch reich beschenkt. Die Herren von Yaish hatten uns handgemachte Souvenirs von Bethlehem besorgt und so durften wir alle eine kleine Grippe und ein Bethlehem-Kreuz mit nach Hause nehmen.
Da sich Rami etwas Sorgen um unsere Navigationskenntnisse gemacht hatte, hatte er kurzerhand noch ein Taxi besorgt, das uns die letzten knapp 60 km !!! zum Toten Meer als Escorte vorne weg gefahren ist.
Was kann man zu so viel Gastfreundschaft noch sagen: nicht viel. Wir waren sprachlos und unendlich dankbar!

Wenn wir zukünftig das Wort Palästina hören, werden wir nicht an“Konflikt, Terror, IS, Anschlag, Raketen“ denken, sondern an“Gastfreundschaft, gutes Essen, beeindruckendes Bethlehem, leckere Zitronen-Minze Limonade, tolle Menschen“.

IMG_8666 IMG_8668 IMG_8683 IMG_8689 IMG_8692

TEIL 2

Nicht nur in Palästina wurden wir von der Gastfreundschaft überwältigt, sondern auch in Jordanien. Ein weiterer Schaeffler Automotive Aftermarket Partner: Rifat Yaish & Sons Co. hatte ebenfalls über die Pressemitteilung über unsere Rallye-Beteiligung gelesen und hat es sich nicht nehmen lassen, uns nach der anstrengenden Wüstenetappe zum Essen einzuladen. Zuvor wurden wir aber im King Hussein Park überrascht. Die Jungs rund um Azzam Yaish hatten Fahnen und und Roll-ups organisiert und uns damit an der Moschee erwartet. Wir waren mal wieder gerührt, welcher Aufwand betrieben wurde und haben uns über die Aufmerksamkeit sehr gefreut.

Danach wurden wir in ein wunderschönes Restaurant gebracht, das wir selber nie gefunden hätten. Es war toll eingerichtet. Ein großer Raum, abgehangen mit Kamelhaardecken, die den Anschein gaben, als wären wir von einem riesigen Beduinenzelt umgeben. In der Mitte befanden sich große Metallschalen (ob silber oder gold ist nicht ganz klar), die nach und nach mit arabischen Köstlichkeiten gefüllt wurden. Auch hier wurden wir freundlich aufgenommen und wir waren froh, dass uns diese Begegnung ermöglicht wurde.

Nach dem Essen gab es ein ganz besonderes Geschenk: Azzam Yaish hatte uns extra einen Pokal anfertigen lassen, der uns immer an diese tolle Begegnung erinnern wird. Wer will schon ein Kamel, wenn man mit so viel Gastfreundschaft überschüttet wird und so einen tollen Pokal bekommt? Wir waren Sieger auf der ganzen Linie, weil uns so viel Gastfreundschaft geschenkt wurde. Wir gehen nach Hause und nehmen neben dem Pokal unheimlich positive Eindrücke mit.

Auf unserer einwöchigen Reise durch Israel, Palästina und Jordanien haben wir keinen einzigen Terroristen getroffen, keine Raketen gesehen, keine Aufstände mit erlebt, keinen Hass erfahren. Wir haben uns sicher gefühlt und trotz der Nähe zur syrischen Grenze nie Sorgen gemacht. Wir haben viele tolle Menschen getroffen und beeindruckende Landschaften gesehen. Wir wurden stets freundlich aufgenommen, immer mit einem „welcome“ begrüßt, wurden extrem großzügig, sehr gastfreundlich und nett aufgenommen.

Wie so oft auf dieser Reise wurden unsere Erwartungen mehr als übertroffen.  Wir sind so froh, dass wir diese Reise angetreten sind.

IMG_4560IMG_4570 IMG_4574 IMG_4571 20150529_181807